Welches Konfliktpotenzial an Schulen in belasteten Stadtteilen virulent werden kann, ist durch den Hilferuf des Lehrerkollegiums der Berliner Rütlischule für eine breite Öffentlichkeit deutlich geworden. In solchen Stadtteilen konzentrieren sich hohe Anteile von Zugewanderten, Alten, Alleinerziehenden und Empfängern von Transferleistungen. In den Stadtteilschulen erreicht der Anteil von Kindern aus Zuwanderungsfamilien bis zu 90 %. Bei den betroffenen Familien unterstützt das die Tendenz, sich in die eigene Ethnie zurückzuziehen.
PISA und andere internationale Bildungsstudien haben gezeigt, dass Kinder aus sozial schwachen Familien und aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland schulisch deutlich schlechter abschneiden als in anderen Ländern. Der Rückzug verschiedener Gruppen ist beobachtbar und viele junge Menschen leiden unter Marginalisierungserfahrungen. Sie zeigen oft Orientierungen, die mit demokratischen Grundwerten nur schwer vereinbar sind. Junge Männer mit Migrationshintergrund verlassen die Schule besonders häufig ohne einen Abschluss. Empirische Studien belegen eine Tendenz zu höherer Gewaltbereitschaft unter männlichen Jugendlichen aus der Türkei und Ost- bzw. Südosteuropa. Extremistische Orientierungen, Fundamentalismus und Gewaltbereitschaft stellen die Gesellschaft vor erhebliche Probleme.
Solche Verhaltensweisen sind mit einem demokratischen Zusammenleben nicht vereinbar und stehen den Jugendlichen bei der Suche nach einer Ausbildungsoder Arbeitsstelle erschwerend im Weg. Das Potential dieser jungen Menschen droht verloren zu gehen. Gerade die lokale Wirtschaft ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung auf dieses Potenzial angewiesen.
An dieser Stelle setzt 14plus an. Es ist ein Projekt, das Demokratie-Lernen mit Berufswahlorientierung verbindet und die Jugendlichen von Klasse 7 bis zum Übergang in Ausbildung bzw. in die Sekundarstufe II begleitet. Es basiert auf 33 unterrichtsergänzenden Modulen zur Berusorientierung (z.B. Werkstattpraktika) und Demokratieerziehung (z.B. demokratische Konfliktlösung). Diese Module wurden in einem vierjährigen Projekt im Kammerbezirk Münster erfolgreich erprobt. Die LGH koordiniert nun die landesweite Umsetzung des Projektes. Das Projekt wird gefördert mit Mitteln des Landes NRW und der Europäischen Union (EFRE) sowie der Bundesagentur für Arbeit.
Nähere Informationen erhalten Sie auf der Projekt-Website: www.14plus-nrw.de
Ansprechpartner/in:
Oliver Steinke
Holger Nitschke







