Der Alltag von Handwerksunternehmern wird bestimmt von einer großen Aufgabenvielfalt mit hohem Termindruck: Baustellen begehen und kontrollieren, Material bestellen, Kundengespräche führen, Angebote schreiben, sich um die Mitarbeiter kümmern, Ausschreibungen sichten: viele Termine - und (zu) wenig Zeit. Alles muss sofort geschehen und schnell gehen, zudem muss die Leistung mindestens zu 100 Prozent erbracht werden. Wie diese Belastungen und Herausforderungen von Menschen erlebt werden und wie sie diese Belastungen bewerten und mit ihnen umgehen, ist sehr unterschiedlich und hat Einfluss auf ihre Gesundheit. Werden die hohen Anforderungen im Arbeitsalltag so eingeschätzt, dass sie die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten übersteigen, wird dies als Stress bezeichnet. Auf Dauer belastet er die Gesundheit. Das eigene Wohlbefinden und damit die Leistungsfähigkeit der Unternehmerinnen und Unternehmer ist jedoch insbesondere für kleine Handwerksbetriebe überlebensnotwendig. Fällt der Chef dort krankheitsbedingt länger aus, so kann dies den Betrieb in große Bedrängnis bringen. Wie also kann man mit derartigem Stress umgehen oder auch stressige Arbeitstage durch ein besseres Zeitmanagement vermeiden? Und was genau bedeutet überhaupt Stress? In diesem „Thema des Monats“ gehen wir dem auf den Grund und geben Ihnen Tipps zum Umgang mit Stress und zur Stressprävention.
Was ist Stress?
Stress ist die persönliche und somit subjektive Einschätzung, dass die eigenen Fähigkeiten beziehungsweise Möglichkeiten, Anforderungen zu bewältigen, stark beansprucht oder überfordert sind und deswegen das Wohlbefinden gefährdet ist.
Wie entsteht Stress?
Situationen, die Stress auslösen können, die so genannten potenziellen Stressoren, sind individuell sehr verschieden. Ein Ereignis, welches bei dem Einen Anspannungen auslöst, wird von Anderen gar nicht wahrgenommen. Ständige Unterbrechungen einer Tätigkeit durch das klingelnde Mobiltelefon kann von einem Menschen als stressend empfunden werden, andere stören sich daran nicht oder bemerken dies gar nicht übermäßig. Erst wenn wir eine Situation so bewerten, dass wir sie schwer oder gar nicht meistern können, erleben wir Stress. Im Handwerksalltag kann beispielsweise der Ärger mit Beschäftigten und/oder Kunden solche Gefühle auslösen. Weitere mögliche Stressoren sind Schlafentzug, Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Lärm, Zeitdruck, Unterforderung oder Überforderung, Meinungsverschiedenheiten oder gar Konflikte. Ganz besonders „gefährdet“ sind Personen, die perfektionistisch veranlagt sind, alles richtig und am besten 200-prozentig machen wollen, die zu Ungeduld neigen, sich selbst unter Zeit- und Leistungsdruck setzen oder einfach nicht „Nein“ sagen mögen.
Wie reagiert man auf Stress?
Haben Sie heute schon ein Mammut erlegt oder sind vor einem Säbelzahntiger geflüchtet? Das hätte Ihnen bestimmt Stress bereitet. Diese Anspannung diente in der Urzeit dazu, den Körper in einer Gefahrensituation in Alarmbereitschaft zu versetzen, um auf einen Kampf oder für eine Flucht vorbereitet zu sein. War das Mammut erlegt oder die Flucht vor dem Säbelzahntiger geglückt, konnte man sich erholen.
Heutzutage reagiert unser Körper auf Stress genauso wie in der Urzeit, allerdings erlegen wir keine Mammuts mehr. Nichtsdestotrotz bereiten uns heute andere Dinge Stress. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und die Anforderungen, die wir an uns selber stellen beziehungsweise die an uns gestellt werden, haben deutlich zugenommen. Der Körper steht so unter andauernder Alarmbereitschaft, ohne dass es zu einem Kampf kommt und sich die aufgestaute Energie entladen könnte.
Die durch das Stressempfinden aktivierten Energiereserven, die nicht bei einem Kampf, einer Flucht oder bei körperlicher Anstrengung verbraucht werden, muss der Körper speichern. Nimmt der Stress über einen längeren Zeitraum nicht ab, befindet sich der Körper in einem andauernden Zustand erhöhter Alarmbereitschaft und ist nicht in der Lage, sich in den kurzen Zeiträumen zwischen den stressenden Ereignissen zu erholen. Auch ohne akute Belastungen kehrt der Körper deswegen nicht auf ein normales Niveau zurück.
Bei Stress richtet sich die Aufmerksamkeit auf das stressende Ereignis. Man bekommt einen „Tunnelblick“. Emotional reagieren Menschen individuell verschieden: Einige benehmen sich hektisch und nervös, andere sind unzufrieden und machen ihrem Ärger „Luft“. Wieder andere essen in einer solchen Situation unregelmäßig, oft bei der Arbeit nebenher oder spät abends. Eine weitere „Strategie": Man versucht mehrere Dinge gleichzeitig zu tun und verliert dann schon einmal den Überblick. Der Körper reagiert kurzfristig auf Stress, indem er seine Energiequellen mobilisiert und seine Widerstandskräfte gegenüber Infektionen erhöht. Langfristig können anhaltende Belastungen und permanente Alarmbereitschaft jedoch zu Erschöpfungszuständen wie einem so genannten „Burnout“ oder schlimmstenfalls zu einem Herzinfarkt führen.
Wie gefährdet anhaltender Stress die Gesundheit?
Kurzfristig leiden wir eventuell unter Schlafstörungen, Magenproblemen aufgrund des unregelmäßigen Essverhaltens und einer inneren Unruhe. „Im Stress, also in der Vorbereitung auf Flucht oder Kampf, reduziert der Körper unter anderem das Schmerzempfinden. Die Rechnung präsentiert er, wenn der Bär erlegt ist.“ Das sagte der medizinische Psychologe Professor Dr. med. Heinz Prokop. Häufig bemerken wir gar nicht, wie angespannt wir sind. Dieser Zustand kann sogar zur Gewohnheit werden. Eine chronische Anspannung und Kreislaufüberlastung als Reaktion auf den Spannungszustand begünstigen jedoch eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionskrankheiten, die Entstehung chronischer Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen sowie eine Arterienverkalkung mit den möglichen Folgen eines Herzinfarktes und Schlaganfalls.
Was kann ich gegen Stress tun?
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Das bedeutet, dass wir hohe Anforderungen an uns selbst und an Andere haben. Das Motto lautet: Höher schneller weiter. An der Spitze eines Unternehmens ist das Alltag: Auf der einen Seite eine Auftragsflaute, dann wieder kann man sich vor Aufträgen kaum retten. Es kommt zu Über- oder Unterforderung, auch in vielen anderen Situationen. Wie gehen Sie damit um? Wie sorgen Sie für Ausgleich, um einem Erschöpfungszustand bei einem Auftragshoch vorzubeugen oder nicht die Motivation zu verlieren, sondern weiterzumachen, wenn die Aufträge gerade ausbleiben?
Als Folge der persönlichen Wahrnehmung und Bewertung einer Situation ergreifen Menschen besondere Strategien der Problemlösung- und bewältigung #„Coping“#. Eine gute Voraussetzung für die Bewältigung von Stress sind interne Ressourcen wie Zuversicht und Optimismus, ein positives Selbstwertgefühl und die Überzeugung, Dinge meistern zu können.
Es ist zudem wichtig, Prioritäten zu setzen und zu überlegen: Was ist mir wichtig? Daneben sind bewusst zu entspannen, sportliche Aktivitäten, persönliche Kompetenzerweiterung durch Weiterbildung, Netzwerke und soziale Unterstützung sowie die Möglichkeit, insbesondere mit einer Vertrauensperson über die Probleme sprechen zu können erprobte Wege, um mit einem stressigen Alltag umzugehen. Dagegen stellen verstärktes Rauchen, intensiver Alkoholkonsum und die Einnahme von Medikamenten keine guten Alternativen im Umgang mit Stress dar. Ob das „Coping“ gelingt, ist auch abhängig von den persönlichen und sozialen Ressourcen, über die ein Mensch in Stresssituationen verfügen kann. Eine Familie die hinter einem steht, Freunde, auf die man sich verlassen kann, dies alles ist wichtig. Daher sollten Sie sich die Zeit nehmen, um Ihre Beziehungen und Freundschaften zu pflegen. Unternehmen Sie mit anderen etwas, was Ihnen Spaß macht!
Das Privatleben bietet nicht immer eine Erholungsmöglichkeit vom hektischen Alltag. Es kann passieren, dass zu dem beruflichen auch noch privater Stress hinzu kommt und ein privater Termin den nächsten jagt. Auch hier sollten Sie Prioritäten setzen und sich überlegen, was für Sie einen ausreichend hohen Stellenwert hat.
Über den Erfolg oder Misserfolg von angewendeten Bewältigungsstrategien lernen Sie mit der Zeit, wann Sie welche am Besten einsetzen.
Zur Vermeidung chronischer Überlastung und damit begünstigter Krankheiten ist eine gute Stressbewältigung wichtig. Noch besser ist jedoch die Stressprävention. Was kann getan werden, um Situationen im Arbeitsalltag als weniger belastend zu empfinden?
Eine Möglichkeit ist ein gutes Zeitmanagement! Bekämpfen Sie die so genannten Zeitdiebe und nehmen Sie sich Zeit für die wichtigen Dinge! Setzen Sie also auch in Ihrer Tagesplanung Prioritäten! Bilden Sie für sich Tätigkeitsblöcke, etwa „Telefonieren mit Kunden“, „Materialbestellung“, „E-Mail-Bearbeitung“, anstatt alles durcheinander zu tun und immer wieder nur halb Erledigtes neu aufzugreifen. Der Alltag mit Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten, der Familie und vielen anderen sorgt schon für genug Ablenkung vom ursprünglichen Plan. Selbstverständlich werden Sie keinen Kunden wegschicken, aber versuchen Sie, soweit möglich feste Termine mit Kunden zu vereinbaren. Diese werden es Ihnen danken, wenn Sie ihnen extra Zeit widmen und sich voll und ganz auf Sie konzentrieren können. Erweitern Sie daneben Ihre Kompetenzen, um nicht überfordert zu werden.
Alles auf einmal tun wollen und das Gefühl, für alles verantwortlich zu sein – das ist ein problematischer Weg. Formulieren Sie stattdessen Ziele und unterscheiden Sie hierbei zwischen Dringlichem und Wichtigem. Dringende Aufgaben sind schnell zu erledigen, da zum Beispiel ein naher Termin feststeht. Wichtige Arbeiten sind meistens von strategischer und langfristiger Natur, jedoch sind die Auswirkungen von Bedeutung. Nehmen Sie sich jeden Tag konsequent ein paar Minuten Zeit für die Tagesplanung und am Wochenanfang oder Ende der Woche Zeit für eine komplette Wochenübersicht. Verplanen Sie dabei nicht den gesamten Tag, sondern lassen Sie ausreichende Pufferzeiten für Unvorhergesehenes, damit Sie flexibel reagieren können. Halten Sie Ihren Zeitplan schriftlich fest und kontrollieren Sie die Planung am Ende eines jeden Tages. So können Sie aus Fehlplanungen lernen und Zeitdiebe entlarven, um Ihre Planung am nächsten Tag zu optimieren. Gibt es Hinweise darauf, dass Sie auf etwas verzichten können, um Raum für Dinge zu haben, die Sie gerne tun? Dann nutzen Sie diese Hinweise.
Vielleicht ist es höchste Zeit für die Einführung einer geeigneten Schreibtischorganisation. Viele Fachverbände und Handwerkskammern haben dieses Problem erkannt und bieten hierzu Kurse an.
Niemand kann alles wissen oder alles können. Wenn Sie jedoch festgestellt haben, dass es Ihnen an einer bestimmten fachlichen oder methodischen Kompetenz fehlt, sollten Sie über eine Weiterbildung nachdenken. Diese kostet Sie zwar zunächst einmal Zeit, diese Zeit kann aber dann in Zukunft eingespart werden, wenn Sie wieder auf dem aktuellen Stand sind.
Wollen Sie alles selber machen, weil es Ihnen an Vertrauen in Ihre Mitarbeiter mangelt und Sie das Gefühl haben, es letzten Endes selbst besser zu machen? Haben Sie eventuell sogar Angst, Ihre Autorität zu verlieren? Das endet schnell in Überforderungssituationen. Überlegen Sie sich daher, welche Aufgaben Sie an Andere abgeben können. Haben Sie den Mut zu diesem Schritt, bereiten Sie Ihre Mitarbeiter auf die neuen Aufgaben vor und schaffen Sie langfristige Delegationsbereiche.
Es ist unzweifelhaft, dass Sie Stress besser bewältigen, wenn Sie körperlich gut in Form sind. Außerdem kann sportliche Aktivität die durch den Spannungszustand aufgestauten Energiereserven entladen. Verhalten Sie sich also dementsprechend: Schon ein kurzer Spaziergang nach getaner Arbeit macht nicht nur den Kopf frei, sondern sorgt auch körperlich für Ausgleich. Regelmäßiges Jogging oder ein anderer Sport helfen umso intensiver, Dampf abzulassen und Druck abzubauen.
Noch ein wichtiger Tipp zum Schluss: Die Berater der Zukunfts-Initiative fühlen sich durch Ihre Anrufe und Anfragen keineswegs gestört und vereinbaren auch sehr gerne einen Termin mit Ihnen, wenn Sie an sich und Ihrem Unternehmen arbeiten möchten. Für Weiterbildungen werden von unseren Projektpartnern unter anderem Workshops angeboten. Oder vereinbaren Sie ein Vor-Ort-Gespräch direkt mit einem unserer Berater.
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Autorin: Katrin Dackow, LGH






