Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern und Auszubildenden gestaltet sich immer schwieriger. Das Thema „Fachkräftemangel“ geistert nicht ohne Grund seit geraumer Zeit durch die Medien. Neben dem eigenen Unternehmensimage sind das Image des Handwerks und die Karrierechancen mit ausschlaggebend bei der Personalsuche. Hier steht das Handwerk mit attraktiven Arbeitgebern aus anderen Branchen, zum Bespiel dem Handel, in Konkurrenz. Jedes Unternehmen, egal welcher Größe und welcher Branche, sieht sich gezwungen, mehr in seine vorhandenen und potenziellen Mitarbeiter zu investieren. Dabei fallen immer wieder die Stichworte Personalmarketing und Employer Branding. In diesem „Thema des Monats“ erläutern wir Ihnen, was dahintersteckt und wie Sie beides in Ihrem Betrieb umsetzen können.
Noch einmal gesagt: Sie als Unternehmer wissen es genauso gut wie die Beratungsfachleute bei Verbänden und Kammern: Der Faktor „Mensch“ wird für Unternehmen in Zukunft immer wichtiger. Doch gerade kleine und mittlere Firmen stellen sich dann wichtige Fragen:
-
Wie komme ich an gutes Personal?
-
Wie werde ich als Arbeitgeber wahrgenommen? Nehmen mich Bewerber überhaupt als möglicher Arbeitgeber wahr oder spiele ich/ mein Berufsstand in deren Überlegungen gar keine Rolle?
-
Lohnt sich für mich der Aufbau einer Arbeitgebermarke?
-
Was sind Instrumente des Personalmarketings? Und wie nutze ich sie kostengünstig?
Erste prinzipielle Antworten bieten die beiden Begriffe Arbeitgebermarkenbildung (neudeutsch: Employer Branding) und Personalmarketing. Doch was genau bedeuten sie überhaupt?
Employer Branding – der gezielte Aufbau einer Arbeitgebermarke – ist eine strategische Maßnahme, um das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber darzustellen. Eine solche starke Marke hilft, sich am Arbeitsmarkt von anderen Wettbewerbern positiv abzuheben beziehungsweise sich dort gut zu positionieren. Ihr Ziel muss es sein, eine zukräftige, glaubwürdige und unverwechselbare Arbeitgebermarke zu schaffen. Sie trägt viel dazu bei, die Effizienz und Wirksamkeit der Personalrekrutierung. Sie erhöht aber zugleich die Qualität der Bewerber. Von beidem wiederum profitiert Ihre Wettbewerbsfähigkeit. Unsere Checkliste zum Employer Branding finden Sie hier .
Unter Personalmarketing hingegen werden sämtliche Maßnahmen verstanden, die ein Unternehmen bei der Mitarbeiterrekrutierung und Mitarbeiterbindung einsetzt. Da reicht von der klassischen Zeitungsanzeige bis zu den sozialen Leistungen. Dieses „Thema des Monats“ befasst sich innerhalb dieser Spanne allerdings lediglich mit der Mitarbeiterrekrutierung, also dem externen Personalmarketing.
Wichtig ist, dass das Personalmarketing aus einem Guss ist - inhaltlich, sprachlich, optisch. Und es muss in das Corporate Design des Unternehmens passen.
Für kleine und mittlere Unternehmen ist es ratsam, auch unkonventionelle Rekrutierungswege zu gehen. Eine Auswahl unterschiedlicher Instrumente und Maßnahmen werden später erläutert. Um zur Checkliste Personalmarketing zu gelangen, klicken Sie bitte hier .
Noch ein Tipp in diesem Zusammenhang: Behalten Sie bei Ihrer Mitarbeitersuche neue Zielgruppen wie ältere Arbeitnehmer, Frauen und Migranten im Blick. Sie werden ein Schlüssel für Ihren langfristigen Unternehmenserfolg sein.
Soweit die Theorie. Doch wie bilde ich eine Arbeitgebermarke? Der Weg dorthin ist in folgenden fünf Schritten erreichbar.
Step 1: Zunächst ist es wichtig, eine Selbstanalyse durchzuführen: Wo liegen meine Stärken und Schwächen als Arbeitgeber? Welches sind wichtige Identitätsmerkmale meines Unternehmens? Hierzu zählen etwa bestimmte Werte, die Persönlichkeit und die Unternehmenskultur. Schreiben Sie alles auf, was Ihr Unternehmen zu einem Unternehmen macht, bei dem man gerne arbeitet.
Step 2: Überlegen Sie dann, was die Bewerber von Ihrem Unternehmen als Arbeitgeber erwartet. Denn gute Kandidaten können sich schon jetzt aussuchen, bei welchem Unternehmen sie arbeiten möchten. Überlegen Sie daher, wie Sie potenzielle Bewerber überzeugen können, sich gerade für Ihr Unternehmen zu entscheiden. Ist es ein überdurchschnittliches Gehalt, leben Sie eine einzigartige Unternehmenskultur, bieten Sie flexible Arbeitszeiten oder gute Karriereperspektiven? Auch Ihr „Produkt“ Unternehmen hat sicherlich viel zu bieten. Machen Sie den Bewerbern Lust darauf, bei Ihnen anzufangen! Stellen Sie sich (natürlich) authentisch als sympathischer Arbeitgeber dar, der bestimmte Werte vertritt, und sprechen Sie dabei die Gefühle und Wünsche der Bewerber an.
Step 3: Mit welchen Angeboten lockt die Konkurrenz? Wer interessiert sich für Ihre Zielgruppe noch? Und wie können Sie sich von Ihren Wettbewerbern abheben? Gerade kleine Unternehmen punkten mit Arbeitgeberstärken wie kurzen Entscheidungswegen, großen Aufgabenbereichen und der Nähe zur Unternehmensleitung oder mit der Vielfalt und der hohen Zufriedenheit mit der Arbeit.
Step 4: Nach diesen Gedanken, die Sie natürlich am besten schriftlich formuliert haben, formulieren Sie Ihre eigene Arbeitgebermarke. Kern dieses Schrittes ist die Frage: Was macht mein Unternehmen als Arbeitgeber aus? Was ist die Identität meines Unternehmens (als Arbeitgeber)? Was macht mein Unternehmen einzigartig und besonders?
Step 5: Filtern Sie aus Ihren Ergebnissen eine Kernaussage heraus. Diese Botschaft ist kurz, bündig und kreativ die Beschreibung Ihres Unternehmens als Arbeitgeber. Und vor allen Dingen: Bleiben Sie authentisch! Ist das geschafft, dann kreieren Sie einen Arbeitgeberslogan, der die Kernaussage in einem (Halb-)Satz zusammenfasst. Orientieren Sie sich dabei an „Aus Freude am Fahren“ von BMW oder „Jeden Tag ein bisschen besser" von Rewe.
Wenn Sie diese fünf Schritte durchgeführt und eine schlüssige Arbeitgebermarke gebildet haben, können Sie mit dem Personalmarketing beginnen. Sie können dabei aus einer Vielzahl an Maßnahmen und Instrumenten wählen, was für Ihren Auftritt am passendsten ist. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige – bei weitem nicht alle – Möglichkeiten vor.
-
Bieten Sie eine interessante Ausbildung an. Heben Sie sich ab von der Konkurrenz und bieten eine Lehre mit Zusatznutzen an. Mit der 08/15-Version fallen Sie schließlich nicht auf. Denken Sie doch beispielsweise einmal über ein gefördertes Auslandspraktikum für Ihren Azubi nach (http://www.letsgo-handwerk.de/).
-
Vor dem Abschluss eines Ausbildungsvertrages bietet sich ein „Schnupperpraktikum“ zum gegenseitigen Kennenlernen an. Hier können beide Seiten überprüfen, ob die Entscheidung, einen Lehrvertrag abzuschließen, richtig ist.
-
Der Stellenmarkt am Wochenende ist der meist gelesene Zeitungsteil – neben dem Sportteil am Montag. Somit sind Stellenanzeigen nicht nur „Personalsuche“, sondern auch „Imagewerbung“. Eine gute Annonce wirkt sich von daher doppelt positiv für Sie aus. Sehen Sie hierzu auch unsere Checkliste .
-
Gerade die junge Generation treffen Sie in den Online-Stellenbörsen. Diese lösen nach und nach die klassische Anzeige in der Zeitung ab. Doch auch die Online-Anzeige muss gewissenhaft und professionell erstellt werden – wie die „normale“ Stellenanzeige.
-
Neben Online-Stellenbörsen nutzen auch immer mehr Unternehmen die Möglichkeiten der Sozialen Netzwerke. Haben Sie daher schon ein Profil im Schüler VZ oder bei Facebook? Hier können Sie Ihr Unternehmen präsentieren und auch freie Stellen kommunizieren. Das Recruiting von Lufthansa etwa läuft nur noch über das Social Network Facebook.
-
Für weiterführende Informationen über Ihr Unternehmen als Arbeitgeber bietet sich eine Karrierewebsite an. Dies ist eine eigenständige Rubrik „Karriere“ auf Ihrer Homepage, auf der Sie mehr als die Aufgaben und die Anforderungen unterbringen können. Zeigen Sie den potenziellen Bewerbern vielmehr anschaulich und anziehend, was Arbeiten bei Ihnen bedeutet. Die Checkliste zur Karrierewebsite finden Sie hier .
-
Nutzen Sie die Medien, zum Beispiel die Lehrstellenaktion des WDR (www.wdr-lehrstellenaktion.de). Hier können Sie ihr Firmenprofil eingeben und eine Lehrstelle oder ein Praktikum anbieten. Zudem können Sie hier auch gezielt nach Auszubildenden suchen.
-
Informieren Sie die regionale Presse über die Erfolge Ihrer Azubis, zum Beispiel aus Anlass von Bestenehrungen. Sagen Sie laut und deutlich, was Ihre Auszubildenden leisten.
-
Stellen Sie sich auf regionalen Job-Messen (www.job-messen.de) als guter Arbeitgeber vor und als Gesprächspartner zur Verfügung. Am besten nehmen Sie einen Azubi mit dorthin, denn er/sie kann besonders nachvollziehbar erklären, was bei Ihnen „läuft“.
-
Halten Sie enge Kontakte zu Schulen und Hochschulen.
Flyer, Plakate, Informationsbroschüren, Events, Schulkooperationen … sind nur noch einige weitere Begriffe, die die Bandbreite der Möglichkeiten verdeutlichen.
Als kleineres Unternehmen lohnen sich insbesondere unkonventionelle Rekrutierungswege. Ihrer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Grundvoraussetzung ist, dass Sie die freien Stellen in Ihrem Unternehmen kommunizieren. Selbstverständlich nutzen Sie hierfür auch Ihren eigenen Online-Auftritt und hinterlegen dort Ihre Stellenangebote. Ihr Webauftritt ist schließlich eine der wichtigsten Visitenkarten Ihres Unternehmens.
Unsere Checklisten zum Thema Employer Branding und Personalmarketing helfen Ihnen sicherlich weiter, Ihr Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber darzustellen. Zudem unterstützen die Berater der Zukunfts-Initiative Sie gerne dabei, Ihren Betrieb für die Zukunft fit zu machen. Auf unseren Webseiten finden Sie garantiert den richtigen Ansprechpartner: www.zih-nrw.de
Copyright 2/2011 by LGH
Autorin: Anne Leisurs, LGH






