Düsseldorf (LGH). Wichtige Erkenntnisse über die Beratung von Gründungwilligen hat eine Online-Befragung gebracht, die die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) im Rahmen ihres Projektes Gründungsforschung durchgeführt hat. Die Berater sehen sich vor allem als „Sparringspartner und Coach“ und kaum als „Anfeuerer und Inspirationsgeber“. Bei den Gründern halten sie Kontaktfreude und Kommunikationsfähigkeit für besonders wichtig, gefolgt von Stressfestigkeit und Zielstrebigkeit. An die Spitze der Liste von Negativ-Eigenschaften setzten die immerhin fast 190 Teilnehmer an der Umfrage die Sorglosigkeit sowie Machtstreben und Härte.
Über Gründer, ihre Persönlichkeiten und Beweggründe, ihre Erfolgsfaktoren und „Problemzonen“ weiß die LGH nach gut zehn Jahren der vom Land NRW geförderten Gründungsforschung eine Menge. Deutlich weniger Licht ist bisher auf einen anderen Teil des Gründungsgeschehens gefallen, die Beratung für diejenigen, die sich selbstständig machen wollen: Wie sehen die Experten des Handwerks und die freiberuflichen Berater ihr „Gegenüber“, wie sehen sie ihre eigene Rolle, was sind ihre wichtigsten Aufgaben bei der Betreuung der Gründungswilligen? Um diese Themen drehte sich die Befragung. Sie richtete sich an Unternehmensberater mit einem Schwerpunkt auf der Gründungsberatung und lief im November und Dezember.
Ziel war es, die Sicht der Gründungs-Experten zu bekommen, mit welchen „Kunden“ sie es zu tun haben. Welche Voraussetzungen bringen sie mit oder sollten sie mitbringen, wie sind sie vorbereitet, wie arbeiten sie mit dem Berater zusammen? Empirisch abgesicherte Daten sollten darüber hinaus das Selbstverständnis der Berater erhellen.
Diese sehen sich mit einer Mehrheit von 57 Prozent „zu allererst“ als „Sparringspartner und Coach“ der Gründer. Ein Drittel kreuzte die Vorgabe „Prüfer und Kritiker“ an. „Am wenigsten“ seien sie „Anfeuerer und Inspirationsgeber“, meinten knapp 60 Prozent der Befragten, gefolgt von der Funktion als „Mahner und Warner“ (35 Prozent). In eine ähnliche Richtung geht, dass mit Ausnahme von einem alle Antwortenden die Aussage für absolut oder zumindest eingeschränkt richtig halten „Ein Unternehmen zu gründen und zum Erfolg zu führen ist harte Arbeit. Da kommt es auf solides Fach- und Branchenwissen und vor allem eine gute betriebswirtschaftliche Überprüfung des Vorhabens an.“ Die Gegenthese „Das Allerwichtigste für Gründer sind eine gute und konkrete Geschäftsidee und der starke Wille, diese Idee durchzusetzen. Der Erfolg kommt dann quasi von selbst“ hält dagegen die Mehrheit (52 Prozent) für eher beziehungsweise ganz falsch.
Ihre „Kunden“ bewerten die Berater durchaus nicht unkritisch: Zwei Drittel meinen, die Gründer kämen nur „einigermaßen“ vorbereitet in das Beratungsgespräch. Immerhin jedem Sechsten hätten sie im vergangenen Jahr „klar und eindeutig“ von seinem Vorhaben abgeraten. Allerdings seien die Gründungswilligen weit überwiegend offen für Anregungen und Korrekturvorschläge.
Die vorgelegten Geschäftskonzepte haben in den Augen der Experten ihre Stärken vor allem in den Abschnitten zum Leistungsprogramm, zu Persönlichkeit und Umfeld des Gründers, zur Rechtsform sowie zur Personalplanung. Klare Schwachstellen machen die Berater bei diesen Konzepten in den Bereichen aus, die sich mit der wirtschaftlichen Situation und dem Marktauftritt befassen: Markt- und Konkurrenzanalyse, Marketing, Zielgruppen sowie Kapitalbedarf/Finanzierungskonzept und Umsatzplanung/Rentabilität waren bei dieser Frage mit großem Abstand die meistgenannten Antworten. Die sieben übrigen Vorgaben wurden zusammengerechnet nur einmal mehr angekreuzt als der „Spitzenreiter“ Markt- und Konkurrenzanalyse. Dementsprechend antworteten auch die Gründerberater, sie müssten ihr Augenmerk bei den Gesprächen primär auf den Businessplan und die betriebswirtschaftliche Absicherung des Vorhabens richten sowie auf die finanzielle Absicherung, gefolgt von der Geschäftsidee und ihren Marktchancen sowie der Persönlichkeit des Gründers und seinen kaufmännischen und organisatorischen Kompetenzen.
Nach Meinung der Berater verfügt der ideale Gründer vor allem über Kontaktfreude und Kommunikationsfähigkeit. Er sollte zudem zielstrebig und ehrgeizig sein und emotionale Stabilität und Stressfestigkeit haben. Häufig genannt wurden darüber hinaus Durchsetzungsvermögen/ Konfliktfähigkeit sowie Lernfähigkeit und Offenheit für neue Entwicklungen. Als besonders negativ für erfolgreiche Gründer stuften die Berater Sorglosigkeit, Machtstreben/Härte, Vorsicht/Besorgtheit sowie Risikoneigung ein. Wie aber sieht die Realität aus? Am häufigsten treffen die Berater bei ihren „Kunden“ auf die „ideale“ Eigenschaft Kontaktfreude, gefolgt von Begeisterungsfähigkeit/ Überzeugungskraft und Führungs- und Gestaltungswillen sowie auf die eigentlich ja als hinderlich bezeichnete Sorglosigkeit. Dagegen sticht offenbar überaus selten Machtstreben/Härte als Persönlichkeitsmerkmal heraus.






