Seit Wochen scheint es so, als hätte die Wirtschaft nur schlechte Nachrichten zu bieten. Wenn sich dann auch noch Manager Fehltritte erlauben, schwindet das Vertrauen der Bürger in die Unternehmen und in die künftige Entwicklung gleichermaßen. Das kann die Stunde des Handwerks als Stabilitätsfaktor sein. Bedienen Sie mit Ihren Produkten und Dienstleistungen daher ganz gezielt die Sehnsucht vieler Menschen nach Sicherheit und Verlässlichkeit. Wie das geht, dafür geben wir Ihnen in diesem „Thema des Monats“ Anregungen.
Die aktuelle Gemütslage der Nation bildet aufs Trefflichste ein Schlager ab, der – wohl auch deswegen - gerade ganz oben in den Hitparaden steht: Im Refrain von „Irgendwas bleibt“ singt Stefanie Kloß von der Gruppe Silbermond „Gib mir ´n kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint“. Eine andere Zeile lautet „Diese Welt ist schnell und hat verlernt, beständig zu sein.“ Wer hätte vor einigen Monaten noch solche „konservativen“ Aussagen gerade in einem Popsong erwartet? Da trafen die Texter doch eher mit Bekenntnissen wie „Ich will Spaß, ich will Spaß“ oder „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ und mit ungetrübtem Zukunftsoptimismus á la „We are the champions“ den Nerv der Zeit.
Viel Vertrauen wurde zerstört
Hintergrund für diese Trendwende ist ohne Zweifel, dass quasi über Nacht eine Wirtschaftskrise globalen Ausmaßes über uns hereingebrochen ist, deren Ursachen die meisten von uns gar nicht so recht verstehen. Sie hat viel Vertrauen zerstört in das Wirtschaftssystem als Ganzes, in einzelne seiner Institutionen, vor allem in die Banken und andere Teile der Finanzwirtschaft, und natürlich in einzelne Individuen innerhalb des Systems – vom einfachen Bankangestellten, der älteren Kunden Hochrisiko-Papiere „angedreht“ hat, bis hin zu Spitzenmanagern, die ihr Unternehmen „vor die Wand gefahren“ haben, aber ungerührt Millionen-Boni einstreichen.
In den letzten Wochen hat sich nun die Krise immer weiter in die Verästlungen der so genannten Realwirtschaft vorgearbeitet. Damit wurde sie dann auch für (noch) nicht Betroffene fassbar(er) und begreifbar(er). Konkurse in der eigenen Region oder Kurzarbeit im Bekanntenkreis führten so zu dem Gefühl, nichts mehr sei sicher und beständig.
In einer solchen Situation wächst bei den Menschen die Bedeutung des Motivationsfaktors Sicherheit enorm. Von Antrieben wie Abenteuer, Risiko oder gar Gier hat man „die Nase voll“, weil sie einem – in manchen Fällen sogar viel – Geld gekostet haben oder weil man zumindest gesehen hat, wohin sie führen können. Dagegen sehnt man sich nach Verlässlichkeit, Stabilität, Ruhe. Im Grunde genommen hat damit die Krise dazu geführt, dass bei den Menschen das so genannte Balance-System als Bestimmungsfaktor unseres Verhaltens wieder die Oberhand gewonnen hat. Nach Jahren, in denen es uns – auch bei unseren Kaufentscheidungen – mehr um Erlebnis, um das Entdecken von Neuem oder um Macht, Status und Überlegenheit gegangen ist, streben wir nun nach Harmonie, Ordnung, einem fairen Verhältnis von Preis und Leistung – und eben nach einem „kleinen bisschen Sicherheit“.
Auf das „neue" Konsumverhalten einstellen
Als Unternehmer ist Ihnen natürlich nicht verborgen geblieben, dass und wie sich die Stimmungslage bei Ihren (potenziellen) Kunden in den letzten Monaten verändert hat. Wer sich um Aufträge bemüht und vom Verkaufen lebt, bekommt schließlich das „neue“ Konsumverhalten hautnah mit. Die Konsequenz kann daher für Sie nur sein, sich und Ihr Unternehmen so schnell und so stringent wie möglich darauf einzustellen. Geben Sie also Ihren Kunden ganz ausdrücklich jenes „bisschen Sicherheit“ – oder gerne auch etwas mehr davon. Die Grundlinie Ihrer Marktstrategie sollte also lauten: Positionieren Sie Ihr Unternehmen als eine feste Größe, auf die man sich getrost verlassen kann und die Produkte und Dienstleistungen mit Wert und Qualität anbietet. Setzen Sie so gute alte Kaufmannseigenschaften wie solidem Wirtschaften und Ehrlichkeit gegen die kurzlebige (Ab-)Zockermentalität. Dem stark gewachsenen Misstrauen der Menschen gegen „die Wirtschaft“ begegnet man eben am besten mit vertrauensbildenden Maßnahmen.
Das Produktangebot des Handwerks bildet dafür die optimale Basis. Vom Bäcker bis zum Kürschner, vom Rollladentechniker bis zum Orthopädieschuhmacher – dort gibt es bewährte und ausgereifte Erzeugnisse. Dies ist dem Gros der Verbraucher bewusst und wird von ihnen auch geschätzt. Im gleichen positiven Sinne „steht“ das Handwerk darüber hinaus dafür, dass es die Lebensumwelt der Menschen sicher macht – wortwörtlich, also durch gut schließende Türen und Fenster oder durch sorgfältig gewartete Autos, aber auch im übertragenen Sinn, also dadurch, dass Handwerker unsere Wohnungen behaglich gestalten, gesunde Nahrungsmittel herstellen oder unser Äußeres so verschönern, wie wir es wollen.
Sicherheit, diesmal verstanden als Berechenbarkeit oder Vertrauen, ist aber auch ein großes Thema für den Service. Dieser Aspekt der Auftraggeber- oder Kundenbeziehung wird ja immer wichtiger und entscheidender für Geschäftserfolge. Von daher sollten Sie und Ihre Mitarbeiter unbedingt auch hier dem erstarkten Bedürfnis nach dem „kleinen bisschen Sicherheit“ und nach Geborgenheit Beachtung schenken. Beweisen Sie also Ihren (potenziellen) Kunden, dass das Handwerk sehr wohl schnell und auf der Höhe der Zeit ist, dass es dabei jedoch keineswegs verlernt hat, „beständig zu sein“.
In der folgenden Checkliste haben wir Ihnen einige Eckpunkte für eine solche „Sicherheits-Strategie“ zusammengestellt. Wir haben dabei ausdrücklich darauf geachtet, dass die Umsetzung der Tipps keine größeren Kosten verursacht. Uns ist bewusst, dass dies in der angespannten wirtschaftlichen Situation nicht vertretbar wäre. In aller Regel reichen vielmehr Änderungen in den betrieblichen Abläufen, das Erstellen zusätzlicher schriftlicher Unterlagen für Interessenten oder das In-Erinnerung-Rufen von bewährten, aber mittlerweile etwas in den Hintergrund gerückten Verhaltensweisen aus.
Versprechen Sie nur, was Sie halten können
Nutzen Sie also unsere Anregungen für Ihren kritischen Blick durch Ihr Unternehmen. Eine Faustregel gilt dabei stets: Versprechen Sie nicht zu viel, aber halten Sie das, was Sie versprechen, knochentrocken ein – von der ersten Terminzusage bis zu Abmachungen bei eventuellen Beschwerden. Die Menschen sind nämlich zurzeit überaus sensibel, was einen vermeintlichen oder tatsächlichen Wortbruch anbelangt. Wenn Sie auch nur in einen solchen Verdacht kommen sollten, bestätigen Sie allzu schnell das gerade gängige Vorurteil, bloß ebenfalls „einer von diesen Gaunern zu sein“. Denken Sie also immer an die Liedzeile „Gib mir ´n kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint“. Und beherzigen Sie diesen Wunsch.
Die Check-Liste für Ihre „Sicherheits-Strategie" finden Sie hier.
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Autor: Harald Siebert, MCH






